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Montag, 19. Mai 2014

Klaas Flechsig im Interview

Der frischgebackene Halbmillionär Klaas Flechsig im Interview

Hamburger gewinnt 500.000 Euro bei Günther Jauch
Klaas Flechsig (36), Pressesprecher bei Google, schaffte es am Montag, 19. Mai 2014, bei „Wer wird Millionär?“ bis zur Millionenfrage und gewann 500.000 Euro bei RTL. Vom Gewinn möchte der 56. Halbmillionär seine Wohnung renovieren, edlen Wein kaufen und eine Afrikareise unternehmen.

Im Interview spricht Klaas Flechsig über seinen großen Auftritt bei Günther Jauch:

Wie fühlen Sie sich als frischgebackener Halbmillionär?
Klaas Flechsig: „Es hat lange gedauert, bis ich das einigermaßen realisiert habe - und es fühlt sich immer noch sehr unwirklich an. Aber das ist schon ein tolles Gefühl!“

Was machen Sie mit dem Geld?
„Ganz konkrete Pläne habe ich noch gar nicht. Es ist aber sehr beruhigend zu wissen, dass man nun alles ein bisschen entspannter angehen kann. Vielleicht gründe ich mit einem Teil des Geldes irgendwann wirklich mal mein eigenes Start-up, wer weiß. Aber als Erstes feiere ich ein bisschen mit Familie und Freunden. Dann müsste unsere Wohnung renoviert werden, außerdem möchten wir gerne eine Afrikareise unternehmen - und unser Weinregal würde ich auch gerne mal wieder auffüllen."

Haben Sie sich im Vorfeld der Show vorbereitet? Und falls ja, wie?
„Smaragdzahlen, irgendwelche Apotheken im Vatikan und Taillenwespen - ganz ehrlich, wie soll man sich darauf vorbereiten oder diese Themen irgendwie voraussehen? Geht ja gar nicht. Ich habe vorher im Trainingscenter auf rtl.de allerdings ein bisschen die Sortieraufgabe geübt, um in der Vorrunde möglichst schnell zu sein.“

Haben Sie mit einem solch' hohen Gewinn gerechnet?
„Nein! Das letzte Mal hat ja vor über einem halben Jahr jemand die 500.000 geknackt, das ist also ziemlich selten. Wer mit so was ernsthaft für sich rechnet, ist mehr Träumer als Optimist.“

Unter Kollegen gelten Sie als Besserwisser. Wie wird man so schlau?
„Mit Schläue hat das weniger zu tun, eher mit Neugier. Ich finde viele Dinge spannend, von denen ich höre oder über die ich lese - und die bleiben dann eben hängen. Zum Leidwesen einiger Kollegen, die ich mit diesem Wissen dann im Anschluss beglücke … nein, das ist nur Spaß. Wir haben eine tolle Arbeitsatmosphäre in unserem Team.“

Bei der 125.000-Euro-Frage („Mit angeblich rund 2.000 Kunden täglich gibt es im Vatikan die weltweit wohl meistbesuchte ...? A: Metzgerei, B: Autowaschstraße, C: Apotheke, D: Nachtbar“; richtige Antwort C) haben Sie gezockt. Warum so viel Risiko?

„Man darf sich nichts vormachen: WWM hat zwar viel mit Wissen zu tun, aber es ist schon auch ein klassisches Glücksspiel. Ich war mir einigermaßen sicher und habe mir dann die Frage gestellt: Was würde jetzt mehr weh tun - auf 16.000 zurückzufallen, wenn ich falsch antworte, oder auf 125.000 zu verzichten, wenn ich aufhöre, aber richtig geantwortet hätte? Da war die Entscheidung dann klar.“

Auch bei der 500.000-Euro-Frage („Die sogenannte Smaragdzahl dient dazu, ...?
A: Meerestiefen zu ermitteln, B: Schmuckstücke zu taxieren, C: Geldfälscher abzuschrecken, D: Spitzenweine auszuzeichnen; richtige Antwort C) spielten Sie risikobereit. Wie haben Sie bei dieser Fallhöhe Ihre Angst überwunden?
„Angst ist niemals ein guter Ratgeber - weder bei privaten Entscheidungen noch im Job, und auch ganz bestimmt nicht bei WWM. Ich würde mir insgesamt in Deutschland oft weniger Angst und Verzagtheit und mehr Mut und Optimismus wünschen. Das bringt einen immer weiter - und wenn man das einmal richtig eingesehen hat, dann ist die Angst auch schon weg.“

Bei der Millionenfrage haben Sie dann nicht mehr gezockt und lagen damit goldrichtig. Gutes Spielgefühl (Sie hätten auf „Russland“ gesetzt, richtig wäre „China“ gewesen). Wie wichtig war Ihr Bauchgefühl?
„Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass es Russland sein müsste - aber eben nicht zu 100 Prozent. Das war dann eine Risikoabwägung, und bei einer halben Million fühlte es sich einfach nicht mehr richtig an, irgendwas zu riskieren.“

Warum haben Sie nicht die Risikovariante mit vier Jokern gewählt?
„Ich finde, der Name ist irreführend. Im Grunde genommen ist die Risikovariante die wahre Sicherheitsvariante, denn sie verleitet dazu, zu schnell auf Nummer sicher zu gehen. Wenn man keine zweite Sicherheitsstufe hat, ist der mögliche Verlust so schmerzhaft, dass man automatisch weniger riskiert. Wenn ich auf 500 Euro hätte zurückfallen können, hätte ich wahrscheinlich schon bei der Vatikanfrage aufgehört.“

Sie wirkten sehr ruhig. Waren Sie nicht nervös?
„Es ist ein schräges Gefühl, auf diesem Stuhl zu sitzen. Natürlich war ich auch aufgeregt, aber vor allem fühlte ich mich wie in Watte gepackt. Komischerweise wurde ich dann erst nach der Sendung so richtig nervös und konnte in der Nacht nicht eine Minute schlafen.“


Klaas' Tipp für WWM-Kandidaten: "Genießt den Tag, egal wie er ausgeht."
Wie haben Sie Günther Jauch empfunden?
„Ich hatte das Gefühl, der andere Stuhl wäre meilenweit entfernt - man ist doch sehr allein in diesem Moment. Dankbar bin ich Günther Jauch vor allem für seinen Tipp ganz am Ende, jetzt bloß nicht irgendeine Show abzuziehen. Das gab den letzten Ausschlag, nicht doch noch auf Russland zu setzen.“

Was raten Sie zukünftigen WWM-Kandidaten?
„Vor allem sollte man diesen Tag genießen, egal wie er ausgeht! Ich hatte Riesenspaß, und die anderen Kandidaten, die ich an diesem Tag kennen gelernt habe, sind allesamt supernette Leute, mit denen ich teilweise immer noch in Kontakt bin.“

Warum springt man für 400 € im Winter in die Alster?
„400 Euro - sagt das nicht schon alles? Das war beim Joggen; ich war eh schon nassgeschwitzt und konnte danach unter die Dusche. Und so hatte ich zu Hause wenigstens was zu erzählen.“

Wird sich Ihr Leben durch den Gewinn verändern?
„Das glaube ich eigentlich nicht. Und vor allem hoffe ich es nicht: Ich war auch vorher schon sehr glücklich mit meinem Leben.“

Ärgern Sie sich darüber, dass Sie die Millionenfrage nicht auch noch beantworten konnten?
„Das wäre natürlich noch toll gewesen, aber ärgern tue ich mich nicht. Ich wusste die Antwort eben nicht und habe dann die richtige Entscheidung getroffen. Und ein großes Abenteuer war das alles auch so.“

Sie leben in einer Regenbogenfamilie mit zwei Kindern. Wie sieht das aus?
„Mein Mann und ich sind seit 16 Jahren zusammen und seit zehn Jahren verpartnert. Mit einem befreundeten lesbischen Paar haben wir eineiige Zwillinge. Die wohnen bei den Müttern, und dort liegt auch das alleinige Sorgerecht. Aber wir alle sehen uns meistens mehrmals pro Woche - es ist hilfreich, dass wir nur wenige hundert Meter voneinander entfernt wohnen.“

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